Die Bearbeitung

Die Bearbeitung

Gehen wir davon aus, ein Stein von vier Karat in feiner Schmuckqualität gelangt in eine Schleiferei und wird dort weiterverarbeitet.
Als ersten Arbeitsschritt haben wir das genaue Begutachten und Vermessen des Steines, um festzustellen welche Schlifform am besten geeignet ist, bzw. wie der höchste Ertrag zu erzielen ist. Angenommen der Stein ist am besten für den klassischen Brillantschliff geeignet, so wird er als erstes in der Mitte durchgesägt. So erhält man zwei Diamanten. Würde man den Rohstein als Ganzes weiterverarbeiten, wäre der Verlust angesichts der einzuhaltenden Winkel und Proportionen für einen schönen Brillantschliff viel zu groß.

Nehmen wir einen der beiden und gehen zum nächsten Arbeitsschritt, dem Reiben. Hier wird der Stein in einer Art Drehbank eingespannt und rund laufen gelassen. Indem man nun mit einem anderen Diamanten der auf einem Kitstock befestigt wurde, sanft gegen den sich drehenden reibt, wird dieser immer runder. Dies wird solange fortgesetzt bis der Stein rund und die Rondiste ausreichend stark zur Weiterverarbeitung ist.

Nun kommt der Diamantschleifer zum Einsatz. Im Prinzip arbeitet er noch wie vor hundert Jahren auf einer horizontal laufenden Stahlscheibe, die mit Diamantpulver besetzt wird. Nur die Werkstücke zum Festhalten des Steines haben sich im Laufe der Zeit verändert. So wurden anfangs die Steine noch in Bleidoppen gehalten, und für jede einzelne Facette mußte der Stein umgekittet werden. Damals gab es sogar einen Beruf, der nichts anderes beinhaltete als das Umkitten der Steine, sodaß der Schleifer schneller weiterarbeiten konnte. Später folgten dann modernere Werkstücke in die die Steine eingespannt werden konnten. Geblieben ist die sog. Zange, in die das Werkstück, der sog. Doppen, mit einem eingedrehten Kupferstift eingespannt wird. Durch diesen Kupferstift kann der Schleifer sich jede Facette zurechtdrücken wie er Sie braucht, kontrolliert wird beim Schleifen jeder Facette mehrmals mit einer 10 oder 15fach vergrößernden Lupe. Für Brillanten gibt es noch den halbautomatischen Doppen. Er ist nicht mit einem Kupferstift befestigt, sondern fest installiert und läßt sich durch verschiedene Gelenke und Rasten in alle Winkel die nötig sind einstellen. Er gibt dadurch die Winkel des zu schleifenden Steines schon vor und sorgt damit für eine optimale Proportion des Steines.

Als erstes wird die Tafel poliert und der Stein auf Ecken geschliffen, d.h. der Schleifer bringt am Ober- und Unterteil vier Facetten an, dann folgt das Schleifen auf Achtkant und schließlich das Brillantieren. Im Gesamten erhält der Stein 57 Facetten und wird immer wieder vermessen, gewogen und begutachtet, um die bestmöglichen Proportionen und Schliffausführungen für die optimale Brillanz zu erhalten. Am Ende erhält man aus dem anfänglichen Vierkaräter zwei Einkaräter. Im Schnitt verliert ein Stein vom Rohstein zum Brillanten 45 bis 50 Prozent. Man sieht also, was an Aufwand und Erfahrung notwendig ist um einen rohen, ungeschliffenen Stein in ein wunderschönes Juwel zu verarbeiten. Dies setzt sich dann in den Fantasieschliffen fort, welche teilweise mehr Facetten aufweisen als ein Brillant. Natürlich werden auch kleinere Steine genauso bearbeitet wie die großen. Jetzt stelle man sich vor, man hat einen Stein von 1,3 mm Durchmesser, was 1/100 Karat entspricht, und dieser ist genauso genau geschliffen wie ein Einkaräter.